Informationen zu Morbus Pompe
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Auf der Website "Orphanet Journal of Rare Diseases" wurde am 27.03.2013 das Ergebnis einer Studie veröffentlicht, die von Wissenschaftlern der Erasmus Universität Rotterdam durchgeführt wurde.
Zielsetzung der Studie war es, die Auswirkung der Enzymersatztherapie auf die Überlebenszeit bei Erwachsenen mit Morbus Pompe zu überprüfen.

Nachfolgend die Übersetzung der Studien-Abstracts:

Hintergrund:
Morbus Pompe ist eine seltene metabolische Myopathie, für die seit 2006 eine krankheits-spezifische Enzymersatztherapie (EET) zur Verfügung steht. Die EET hat seine Wirksamkeit in Bezug auf Muskelkraft und Lungenfunktion bei erwachsenen Patienten gezeigt. Allerdings liegen bisher keine Daten über die Wirkung der EET auf das Überleben von erwachsenen Patienten vor. Das Ziel dieser Studie war es, die Wirkung der EET auf das Überleben bei erwachsenen Patienten mit Morbus Pompe zu beurteilen.

Methoden:
Die Daten wurden als Teil einer internationalen Beobachtungsstudie zwischen 2002 und 2011 erhoben, auf Basis der Untersuchungsergebnisse, die kontinuierlich jährlich von den Patienten erfasst wurden (Anmerkung: jährliche Verlaufskontrolle in den Pompe-Zentren). Für die univariablen und multivariablen Analysen wurden z
eitabhängige Cox proportionale-Hazard-Modelle verwendet (Anmerkung: Wer wissen möchte, was zeitabhängige Cox proportionale Hazard Modelle sind, kann das u.a. im Deutschen Ärzteblatt nachlesen).

Ergebnisse:
Insgesamt wurden 283 erwachsene Patienten mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren (Spanne 19 bis 81 Jahre) in die Studie eingeschlossen. Zweiundsiebzig Prozent der Patienten begann die EET zu irgendeinem Zeitpunkt während des Beobachtungszeitraumes (Follow-up), und 28% haben nie die EET erhalten. Während des Follow-up (Median 6 Jahre; Bereich von 0,04 bis 9 Jahre), starben 46 Patienten, davon hatten 28 (61%), noch nie die EET erhalten. Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Land des Wohnsitzes und der Schwere der Erkrankung (basierend auf die Nutzung von Rollstuhl und Beatmungsgerät), wurde die EET positiv mit dem Überleben (95% CI, 0,19 bis 0,87 Hazard Ratio 0,41) der Patienten assoziiert.

Fazit:
Diese prospektive Studie war die erste, die die positive Wirkung der EET auf das Überleben bei Erwachsenen mit Morbus Pompe demonstriert.
Angesichts der erst kürzlich erfolgten Zulassung der EET für Morbus Pompe, unterstreichen diese Ergebnisse den positiven Einfluss der EET bei erwachsenen Pompe-Patienten.

Anmerkung:

Da es sich hier um eine teilweise Übersetzung medizinischer Details handelt, wird für Fehler in der Übersetzung keine Haftung übernommen. Lesen Sie bitte hierzu den vollständigen Originalartikel auf Orphanet Journal of Rare Diseases (in englisch).

Originaltitel der Studie: Impact of enzyme replacement therapy on survival in adults with Pompe disease: results from a prospective international observational study
Autoren: Deniz Güngör, Michelle E Kruijshaar, Iris Plug, Ralph B D¿Agostino, Marloes LC Hagemans, Pieter A van Doorn, Arnold JJ Reuser and Ans T van der Ploeg
Veröffentlicht am 27.03.2013 im Orphanet Journal of Rare Diseases 2013, 8:49 doi:10.1186/1750-1172-8-49

 

Es gibt positive Meldungen aus der Phase 1/2 Studie der Firma BioMarin mit dem Produkt BMN-701

Wie aus einen Internet-Bericht des GlobeNewswire vom 19.03.2013 hervorgeht, konnte das Biotechnologieunternehmen BioMarin erste positive Ergebnisse aus der Phase 1/2 Studie der Enzymersatztherapie für Morbus Pompe bekannt geben. Im Verlauf der Studie (POM-001) mit dem neuen Medikament, das unter der Bezeichnung BMN-701 geführt wird, konnten folgende positive Ergebnisse erzielt werden:

  • Die mittlere Verbesserung bei der 6-Minuten-Gehstrecke betrug ca. 22 Meter für die 16 Patienten, die in der 20 mg / kg Kohorte behandelt wurden. Darüber hinaus gab es drei Super-Responder (19 Prozent der Patienten), die bei der 6-Minuten-Gehstrecke eine Verbesserung von mehr als 75 Meter vom Ausgangswert vor Therapiebeginn bis zur 24. Woche erreichten.
  • Für die Lungenfunktion ergab sich eine mittlere Verbesserung der forcierten Vitalkapazität (FVC) um 1,2 Prozent in absoluten Zahlen oder 2,0 Prozent relative Verbesserung vom Ausgangswert vor Therapiebeginn bis zur 24. Woche.
  • Die mittlere Verbesserung des Atemgrenzwertes (MVV) betrug 2,9 L / min in absoluten Zahlen oder 4,3 Prozent relative Verbesserung vom Ausgangswert vor Therapiebeginn bis zur 24. Woche.
  • Die mittlere Verbesserung in Prozent des maximalen exspiratorischen Druck (MEP) betrug 5,1 Prozent in absoluten Zahlen oder 14,1 Prozent relative Verbesserung vom Ausgangswert vor Therapiebeginn bis zur 24. Woche.
  • Die mittlere Verbesserung in Prozent des maximalen Inspirationsdrucks (MIP) lag bei 11,0 Prozent in absoluten Zahlen oder 27,0 Prozent relative Verbesserung vom Ausgangswert vor Therapiebeginn bis zur 24. Woche.

Das Unternehmen führte eine Responder-Analyse durch, in der jeder Patient eine Punktzahl von "plus eins" für Verbesserung von mehr als 10 Prozent und "minus eins" für einen Rückgang von 10 Prozent in den Bereichen 6-Minuten-Gehtest, MdEP und MIP zugewiesen wurde. Jedes Patienten Ergebnis (Scores) wurde durch Summierung der einzelnen Ergebnisse für diesen Patienten zusammengefasst. Dreizehn der 16 Patienten erzielten so ein "Plus eins" oder größer, zwei Patienten hatten einen Wert von 0, was eine Stabilisierung bedeutet, und bei einem Patient war der Wert rückläufig.

Nebenwirkungen:

Die Nebenwirkungen für BMN-701 waren in der Regel mit denen anderer Enzymersatztherapien vergleichbar. Die wichtigste klinische Nebenwirkung waren infusionsbedingte Reaktionen bei zwei Patienten, die zu vorübergehenden Unterbrechung der Therapie bei einem Patienten und Absetzen der Therapie bei einem Patienten führte. Eine Infusions-assoziierte Hypoglykämie, eine erwartete pharmakologische Wirkung des BMN-701, ist bei 13 Patienten in der 20 mg / kg Kohorte aufgetreten. Alle Hypoglykämie Ereignisse traten während oder innerhalb einer Stunde nach der Infusion auf, waren vorübergehend und leicht verwaltbar durch Diät und überwiegend asymptomatisch.

POM-001 Phase 1/2 Studiendetails (Studiendesign)

Die Phase 1/2 Studie ist eine Open-Label-Studie zur Untersuchung der Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und klinischen Wirksamkeit von BMN-701, das als intravenöse Infusion alle zwei Wochen in einer Dosierung von 5 mg / kg, 10 mg / kg und 20 mg / kg verabreicht wird. An der Studie nehmen 22 Patienten, im Alter zwischen 18 und 65 Jahre teil, mit einem "late-onset" Morbus Pompe. Die Behandlungsdauer beträgt 24 Wochen.

Wie geht es weiter?

Nächste Phase der Entwicklung: Phase 2/3 Studie

Die Phase 2/3 Studie wird voraussichtlich bis Dezember 2013 beginnen. Das Unternehmen plant eine Studie mit late-onset Pompe-Patienten zu initiieren, die zuvor mit Alglucosidase alfa behandelt wurden. Gegenstand von Diskussionen mit den zuständigen Gesundheitsbehörden wird das Studiendesign sein. Hier steht die Variante im Vordergrund, bei denen die Patienten 20 mg / kg Körpergewicht im 14-tägigen Rhythmus über 24 Wochen verabreicht bekamen. Das Unternehmen beabsichtigt, um die Wirksamkeit zu bestätigen, die Atemparameter (MIP) als primären Endpunkt zu verwenden. Zu den sekundären Zielen gehören der MEP und der sechs-Minuten-Gehtest, sowie die Sicherheit. 

Anmerkung:

Da es sich hier um eine teilweise Übersetzung medizinischer Details handelt, wird für Fehler in der Übersetzung keine Haftung übernommen. Lesen Sie bitte hierzu den vollständigen Originalartikel bzw. die Presseveröffentlichung von BioMarin (in englisch).

Die Studienergebnisse wurden von verschiedenen führenden Medizinern positiv gewertet. Eine Lektüre des Originalartikels ist empfehlenswert.

Links zum Thema:

Die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) regelt die sichere und gute Arzneimittelversorgung durch Apotheken. Am 12. Juni 2012 ist die Vierte Verordnung zur Änderung der ApBetrO in Kraft getreten. Wesentliche Ziele der Überarbeitung waren die Verbesserung der Arzneimittelsicherheit, insbesondere bei der Arzneimittelherstellung und bei der Information und Beratung. Die Änderungen der neuen Verordnung betreffen im Wesentlichen Vorgaben zur Arzneimittelherstellung, insbesondere zu patientenindividuell herzustellenden Rezepturarzneimitteln.

Von den Änderungen ist auch die Herstellung von Parenteralia betroffen [Parenteralia sind sterile Zubereitungen, die zur Injektion, Infusion oder Implantation in den Körper bestimmt sind], einschließlich Enzymersatztherapeutika wie Myozyme®. Die Paragraphen 35 und 37 der neuen Apothekenbetriebsordnung besagen, dass die Herstellung seit Juni 2012 in einem separaten Raum in oder in der Nähe der Apotheke stattzufinden hat. Dieser Raum muss ab Juli 2013 bestimmte Anforderungen an Reinheit und Sauberkeit der Umgebung und der Luft erfüllen („Reinraumkriterien“). Ab Juni 2014 muss dem Reinraum zusätzlich eine sogenannte „Schleuse“ vorgeschaltet werden. Damit ein Apotheker weiterhin u.a. Enzymersatztherapeutika für Morbus Pompe herstellen darf, muss er diese zwei Räume spätestens 2014 vorhalten, was mit Investitionen verbunden ist. Er kann sich aber auch entscheiden, auf die Investition zu verzichten und folglich seinen Kunden die Herstellung nicht mehr anzubieten.

Pompe-Patienten werden in den meisten Fällen von dieser Änderung nichts bemerken, insbesondere diejenigen Patienten, die ihre Infusion in einer Klinik erhalten, die sich um die Zubereitung kümmert. In besonderen Konstellationen, bei denen zum Beispiel eine Praxis mit einer Apotheke zusammenarbeitet, kann es vorkommen, dass diese Apotheke das Präparat für Morbus Pompe nicht mehr herstellen darf. In diesen Fällen müssen Wege gefunden werden, dass die Herstellung in einer anderen Apotheke erfolgt, die die neuen Anforderungen erfüllt. Wir empfehlen, in Ihrer derzeitigen Apotheke nachzufragen, ob sie die neuen Anforderungen der Apothekenbetriebsordnung bereits erfüllt oder erfüllen wird.

Weitere Informationen erhalten Sie auf Nachfrage bei der Selbsthilfegruppe Glykognose Deutschland e.V.